Listenplatz 3: Dr. Mathis Heinrich

Zu meiner Person

Nach meinem Studium an der Philipps-Universität Marburg habe ich in England an der Universität Lancaster in Soziologie promoviert und war danach befristet für zwei Jahre an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. In meinen fast sieben Jahren als Wissenschaftler hatte ich dabei sieben befristete Arbeitsverträge und Finanzierungsquellen. Im Jahr 2017 bin ich in das Wissenschaftsmanagement gewechselt und arbeite aktuell als Referent für Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre in der Verwaltung der UMR ­– seit Ende 2019 zum ersten Mal in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis. Außerdem bin ich regelmäßig Lehrbeauftragter am Fachbereich für Gesellschaftswissenschaften und Philosophie, um den Anschluss an die Wissenschaft nicht zu verlieren.

Zwischen 2019 und 2020 sind 89% der Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen an der Uni Marburg befristet eingestellt worden (siehe PR-Info Dez. 2020); gleichzeitig betreibt der Mittelbau rund 80% der Forschung und etwa 60% der Lehre. Das passt nicht zusammen ­­– mit Arbeitsverträgen von teilweise unter einem Jahr Laufzeit kann weder dauerhaft gute Forschung, noch dauerhaft gute Lehre erbracht werden. Stattdessen, dauerhafte Befristung und die geht zu Lasten von allen: die Beschäftigten haben keine Perspektive, die Universität verliert know how, und die Studierenden leiden unter schlechten Lehr- und Studienbedingungen.

Die Probleme sind lange bekannt und trotzdem wird nichts unternommen. Das Befristungsunwesen scheint tief verankert in der Kultur der Universitäten. Es muss daher auf allen Ebenen bekämpft werden, um eine dauerhafte Verbesserung der Arbeits- und Wissenschaftsbedingungen erreichen zu können. Für diesen Wandel setze ich mich ein – im Personalrat und darüber hinaus:

  • Im örtlichen Personalrat ist jede Befristung kritisch zu hinterfragen. D.h. Daueraufgaben müssen als solche anerkannt, schleierhafte wiss. Qualifikationsgründe kritisiert und jeder Antrag auf Verlängerung von Vertragslaufzeiten äußerst großzügig bewilligt werden. Zudem braucht es verlässliche Zahlen und Erhebungen, um die Probleme richtig fassen, eingrenzen und bearbeiten zu können.
  • Im Hauptpersonalrat auf Landesebene sind befristete Beschäftigungsverhältnisse endlich als schädliche Praxis für Personal, Hochschule und Studierende zu skandalisieren. Die aktuelle Novelle des HHG bietet hier die Chance, neue Personalkategorien für unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zu fördern, ein Verbot von zweckentfremdeten Qualifikationsgründe für Befristungen einzuführen und eine Mindestlaufzeit von Verträgen festzuschreiben.
  • Auf Bundesebene muss das Thema sowohl innerhalb der Gewerkschaften als auch in den Tarifkommissionen (TV-H und TV-L) stärker auf die Agenda gerückt werden. Befristungen sind nicht nur ein Problem an den Hochschulen, sie sind dort jedoch besonders gravierend. Im Schulterschluss mit anderen Branchen und Gewerkschaften können wir voneinander lernen (z.B. von kreativen Poollösungen) und gemeinsam den Druck auf die Arbeitgeber:innen im öffentlichen Dienst erhöhen.