Listenplatz 2: Yulia Chmutova

Wenn ‚Prekariat‘, ‚Befristung‘ und ‚Leiharbeit‘ Menschengestalt hätten annehmen müssen, wären sie sicherlich in der Uni Marburg auf die Suche gegangen und hätten bestimmt mich in die engere Wahl genommen:

  • Nach meinem Abschluss in Germanistik/Deutsch als Fremdsprache erhielt ich im Sommersemester 2009 vom Studienkolleg der Philipps-Universität einen 6-stündigen Lehrauftrag im Fach Deutsch. Um einen weiteren Lehrauftrag über 10 SWS im gleichen Fach und an der gleichen Arbeitsstelle zu bekommen, wurde ich von einem externen Verein angestellt und an das Studienkolleg „ausgeliehen“. Diese Konstruktion wurde gewählt, um die Lehrauftragsverordnung zu umgehen, die nur 6 SWS erlaubte, und um zu verhindern, dass ich mich u. U. einklage.
  • Im WiSe 2009/10 bekam ich zusätzlich eine halbe wissenschaftliche Hilfskraftstelle, um im Rahmen eines DAAD-Projektes Stipendiat:innen am Studienkolleg zu betreuen. Diese HIWI-Stelle wurde im SoSe 2010 auf eine ganze Stelle aufgestockt, um dieses Projekt vollständig abzuwickeln und zu koordinieren.
  • Außerdem wurde ich im Rahmen der HIWI-Stelle mit der Erstellung eines umfassenden Betreuungs- und Beratungskonzepts des Kollegs befasst. Ich übernahm auch die Studien- und Sozialberatung der Studierenden, nahm an Präsentationsreisen ins Ausland teil, um Studienprogramme der Uni Marburg vorzustellen.
  • Erst drei Jahre später erhielt ich dann eine befristete halbe Referentinnenstelle für diese Tätigkeiten, finanziert aus sog. QSL-Mitteln. Diese Stelle wurde stets um ein Jahr verlängert, abhängig von der Bewilligung der Mittel.
  • Ab dem SoSe 2016 bekam ich eine unbefristete halbe Stelle für die Unterrichtung im Fach Deutsch als Fremdsprache, die Lehraufträge entfielen. So hatte ich nun eine ganze Stelle, die Hälfte aber immer noch befristet. Schließlich wurde auch diese Befristung im WiSe 16/17 aufgehoben. 

Von der ersten Beschäftigung bis zum Normalarbeitsverhältnis vergingen mehr als 7 Jahre.

Als Gewerkschafterin setze ich mich aktiv für die Beseitigung prekärer und befristeter Tätigkeiten ein, die ich aus eigener Erfahrung viel zu gut kenne!