Listenplatz 1: Dr. Günter Schlichthörl

Mein besonderes Anliegen ist die Förderung physisch und psychisch gesunder Arbeitsbedingungen an der Universität.

Günter Schlichthörl

In Coronazeiten wird uns wieder bewusst, dass Gesundheit für jeden von uns eine zentrale Bedeutung hat. Auch wenn man noch so für seine Forschung brennt, wenn man selbst oder jemand der einem sehr nahesteht, schwer erkrankt, verliert vieles was uns vorher so wichtig war an Bedeutung.

Um arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen habe ich mich im Personalrat auf den Bereich Arbeitsschutz konzentriert. Durch diverse Fortbildungen, Sicherheitsbegehungen, Unfallnachbesprechungen und der Mitarbeit im Arbeitsschutzausschuss der Universität habe ich die ganze Vielfalt, die es in der Universität gibt, kennengelernt.

Die Arbeitsfelder im Arbeitsschutz umfassen die klassischen Felder Unfallschutz (mechanisch, elektrisch), Brandschutz (Explosionsschutz, Fluchtwege), Laborsicherheit (Strahlenschutz, Gentechnikgesetz, Biostoffverordnung, Laborrichtlinien), Ergonomie am Arbeitsplatz (Tische, Stühle, Beleuchtung, Arbeitsgeräte), Fragen des Raumklimas (Temperatur, Feuchte, Luftschadstoffe, Asbest, Schimmelbildung) um hier nur die wichtigsten zu nennen.

In den meisten Feldern darin ist die Universität organisatorisch gut aufgestellt. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die in den unterschiedlichsten Funktionen im Arbeitsschutz (vom Sicherheitsbeauftragten bis hin zu hauptberuflich im Arbeitsschutz tätigen) sehr gute Arbeit leisten, bei denen ich mich auch hier ohne Namen zu nennen sehr herzlich bedanke.

Leider haben wir in einigen Bereichen noch Resourcenprobleme. Die Ausstattung von Arbeitsplätzen in den Fachbereichen hängt noch zu sehr von der Finanzlage der einzelnen Arbeitsgruppe ab. Die räumliche Ausstattung der Universität ist nicht auf die derzeitige Zahl von Studierenden und Beschäftigten ausgelegt. Der Bereich Bauunterhaltung hat nicht die Mittel, um alle notwendigen Sanierungsmaßnahmen durchzuführen. Regelmäßige Kontrollmessungen von potentiell belasteter Raumluft findet nicht statt. Die Bürotische sind nicht mehr Stand der Technik.

Zusätzlich zu diesen physischen Belastungen haben in der Arbeitswelt psychisch Belastungen an Bedeutung gewonnen. Psychische Belastungsfaktoren können sein: Arbeitsüberlastung, schlechtes Arbeitsklima, schlechte Informationswege, ungesicherte Zukunftsperspektiven, fehlende Sozialkontakte bei der Arbeit, starke Abhängigkeitsverhältnisse vom Vorgesetzten insbesondere bei Doktoranden.

Obwohl die Aufnahme von psychischen Belastungsfaktoren in die Gefährdungsbeurteilung schon seit 2013 vorgeschrieben ist, tut sich der klassische Arbeitsschutz schwer mit deren Umsetzung.  Während der klassische Arbeitsschutz eher technisch orientiert ist, sind bei der Verringerung psychischer Belastungen in der Regel organisatorische Maßnahmen notwendig. Dazu gehört zunächst erst einmal eine Bestandsaufnahme der zur Verfügung stehenden Mittel und der Leistungen, die erbracht werden sollen. Dabei sind wünschenswerte Leistungen in Frage zu stellen. Benötigt man wirklich einen neuen Studiengang? Muss die Prüfungsordnung wirklich geändert werden? Es ist zu klären welche Daueraufgaben mit Dauerstellen zu besetzen sind. Jedes Outsourcing verringert die sozialen Kontakte. Wie kann sichergestellt werden, dass die Person, die eine Maßnahme am meisten betrifft, darüber nicht als letzte informiert wird? Kann ein Gesundheitsmanagement eingerichtet werden, das im Vorfeld organisatorische Maßnahmen auf die Entstehung psychischer Belastungen untersucht?

Gesundheit ist laut der WHO ein Zustand von vollständigem physischem, geistigem und sozialem Wohlbefinden, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet.

Fragen wie Arbeitszufriedenheit, soziale Kommunikation während der Arbeit, altersgerechte Arbeitsorganisation, Verbesserung des Betriebsklimas sollten Aufgabe eines Gesundheitsmanagements werden.

Rahmenbedingungen

Die Einordnung der bestehenden Arbeitsbedingungen lässt sich nicht einordnen, ohne die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Diese Rahmenbedingungen sind durch den Hochschulpakt, eine drittmittellastige Finanzierung und die Autonomie der Hochschulen vorgegeben.

Ziel der Hochschulfinanzierung ist den Konkurrenzkampf der Universitäten untereinander zu fördern. Das führt dazu, dass die Universitäten versuchen, möglichst viele Studierende anzulocken und möglichst gut Drittmittel einwerbende Professuren zu berufen. Bei Neuberufungen gehen die Universitäten bis an ihre Schmerzgrenze. Das verringert den Spielraum für andere Ausgaben auf ein absolut notwendiges Minimum. Der Druck anderswo Kosten zu reduzieren wächst.

Der Konkurrenzkampf ist politisch gewollt. Er ist nicht dazu da, um die Kosten der Universität zu minimieren oder deren Output zu optimieren. Dazu führt das System nicht. Die 200 000 Euro, die eine Universität bei der Berufung eines Professors noch mal drauflegt, um ihn zu bekommen sind anderswo normalerweise viel nutzbringender angelegt. Eine Optimierung sieht anders aus. Auch der aus den Drittmitteln resultierende Aufwuchs von befristeten Verträgen ist längst kontraproduktiv. Das fängt mit dem immer größer werdenden Aufwand für die Beantragung der Drittmittel an und führt letztendlich dazu, dass die Arbeit, die in 2 Jahren Postdoczeit aufgebaut wurde, nicht weiter genutzt wird, da kein unbefristeter Wissenschaftler mehr da ist der das könnte und ach ja, der Prof muss ja Anträge schreiben.